Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann es mit dem Kühlhouse in Bremerhaven anfing. Bestimmt 20 Jahre ist es her. Vorher gab es von den Menschen aus dem Umfeld des Kühlhouses House-Partys u. a. im Wasserturm in der Langener Landstraße, auf denen Phazz aufgelegt hat. Damals war ich bei einer Gruppe von Menschen engagiert, die schon ewig Techno-Partys in Bremerhaven gemacht haben, und wir haben ganz neidisch auf diese Partys im Wasserturm geschaut. Bei uns war eher mittelmäßig was los, bei denen mehr, also spürbar mehr. Später gab es dann auch noch Partys in der Lessingstraße, von Tas & Phunk, und das Löschbetrieb, aber das ist eine andere Geschichte.
Das Kühlhouse hat sich relativ schnell als ernstzunehmende Instanz für House-Partys in Bremerhaven etabliert und vor allem auch „neue“ Menschen angesprochen. Nicht nur so Szenenasen wie mich. Das war erfrischend, weil der Anspruch dadurch auch ein anderer war.
Schön war auch, dass das mit einer gewissen Regelmäßigkeit stattfand und das eben in einer Stadt wie Bremerhaven, die nun nicht wirklich eine Szene hatte und wo das Thema Nachtleben grundsätzlich etwas schwierig war. Die Alte Bürger war gerade am Kippen, bisher eigentlich die Instanz für Nachtleben in der Stadt. Es gab vereinzelt Diskotheken, die zwar eine andere Klientel angesprochen haben, aber auch ihre Probleme hatten. Das Kühlhouse stach da hervor. Es war klein, intim, es lief gute Musik, und man hat sich dort unbefangen für eine gute Zeit getroffen.
So hängt es zumindest in meiner Erinnerung. Man erinnert sich ja eher an die guten Sachen!
Da ging schon wirklich viel Gutes. Ich habe mit Matthias, der die Hallen links und rechts vom Kühlhouse gemietet hat, da auch mal eine Party veranstaltet. Gästeliste von 110 Leuten, haben praktisch keinen Eintritt an dem Abend eingenommen, dafür war die Bar sprichwörtlich leer gesoffen. Schöner Abend, da waren Tas & Phunk auch dabei.
Später habe ich neben Kolja Bäcker, der Resident im Rosigen Zeiten in Bremen war, öfter dort aufgelegt. Danach haben Dimi & Loco aus meinem DNMK-Roster, wenn man das so nennen kann, dort einiges gemacht, bei dem ich auch gelegentlich dabei war. Meine Zeit als DJ, vor allem in Bremerhaven, war schon sehr vom Kühlhouse geprägt.
Ich traf Jahre später Marc auf dem Alte-Bürger-Fest, hatte schon lange in Hamburg gelebt und war nicht mehr so oft in Bremerhaven, aber sprach ihn gleich auf das Kühlhouse an. „Hab den Bums verkauft, kein Bock mehr gehabt“.
Es brach mir ein bisschen das Herz, aber verstanden habe ich es auch.
Nicht nur, dass so Menschen wie ich immer mehr aus Bremerhaven weggezogen sind, die Luft ist vielleicht auch bei solchen Sachen irgendwann raus.
Ich glaube, 2018 oder 2019 habe ich dann mal schauen wollen, was im Kühlhouse noch so geht, und hab im Netz geschaut. Ein wenig sentimental und neugierig. Schauen, was in der alten Heimat passiert.
Die URL kuehlhouse.com war mit keiner Website verbunden, weil jemand die Registrierung nicht verlängert hat.
Fast aus Reflex habe ich die URL registriert und hatte praktisch sofort die Idee, einen Hommage-Mix zu machen. Mit Platten aus der Zeit oder Platten, die ich in der Zeit besonders gut fand.
Randnotiz: Mit meiner Historie aus der Technoszene und auch grundsätzlich nicht nur in einem Genre verhaftet, war ich immer der DJ, der nicht so 100 % ins Kühlhouse passte. Ich habe mich zeitweise angepasst, hab aber auch, sagen wir mal, die Grenzen ausgetestet. Ich war gegen 2008 schwer auf Bloghouse, was u. a. von French Touch beeinflusst war. Geile Musik, aber nicht immer passend fürs Kühlhouse.
Also, die Idee war, mit einer Auswahl an Platten einen Hommage-Mix zu machen. Ich habe dafür bis jetzt gebraucht, weil ich mich schon immer sehr schwergetan habe, zu Hause Mixes aufzunehmen. Meine Mixes waren immer schlechter als meine Sets, auch, weil ich irgendwann den Trigger brauchte, die Reaktionen auf meine Musik bei den Leuten zu sehen.
Weil es letztendlich über 60 Platten waren, die ich für den Mix herausgesucht habe, war das mit der gerade beschriebenen Voreingenommenheit unmöglich, das zu Hause aufzunehmen. Als vor einiger Zeit dj.studio herauskam, wusste ich sofort, wie ich endlich außerhalb meiner Komfortzone dieses Set aufnehmen kann, und ich bin froh, dass es das Stück Software gibt. Ohne sie wäre die Idee gestorben!
Lange Rede, hier ist nun mein Hommage-Mix, der zumindest mich an eine gute Zeit im Kühlhouse denken lässt. Dich vielleicht auch?
Ich hoffe, er macht beim Hören ähnlich viel Spaß, wie mir beim Machen.
Direktlink: kuehlhouse.com

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