Wie immer bei neuen Sachen oder sogar Trends: Die Fronten sind hart! Entweder wird es übertrieben in den Himmel gelobt und von den immergleichen Menschen aus meiner Branche als die ultimative Lösung für alles verkauft. Und es gibt die mit der totalen Verweigerungshaltung, weil es aus diesen und jenen Gründen absolut schlecht ist.
Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte, und ich überhöre in aller Regel die gerade genannten Extrempositionen, weil die überraschend oft von Menschen kommen, die sich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt haben. Egal, welche Position sie vertreten.
Das Problem an der Totalverweigerung ist häufig die Schwarzmalerei der Kritiker. Es gibt aber selten ein tiefes Schwarz oder ein reines Weiß. Es ist meist irgendeine der tausend Grauabstufungen.
1000 shades of grey, or what?
Ich habe mir vor Jahren Front-End-Grundlagen angeeignet, kann ein bisschen HTML und CSS schreiben und verstehe ein wenig, wie JavaScript funktioniert. Wenn ich Website-Code sehe, sehe ich nicht unbedingt, ob der gut ist, aber was der erreichen soll.
Ich glaube, das ist ein Unterschied, wenn ich mich daranmache und Vibe code, im Vergleich zu jemandem, der gar keinen Plan von Front-End-Entwicklung hat. Und damit wären wir in einem Grauspektrum!
Genug gerechtfertigt!
Meine alte Website unter wirsindfein.de hat mir sehr lange Zeit als Visitenkarte für meine Freelance-Tätigkeit gedient, die ich seit Ende 2022 nicht mehr verfolge. Die Seite war vielleicht schon etwas angelaufen oder halt wie ein alter, wenn auch qualitativer Pulli. Sieht noch gut aus, passt auch noch, keine Löcher… aber schon tausendmal angehabt!
Es wurde Zeit für etwas Neues!
Mein erster Vibe-Coding-Testlauf war diese kleine Seite: eichhof.co

Eine Platzhalterseite, die ich für Domains verwende, die ich z. B. nur für E-Mail-Adressen habe. Muss nichts können, aber vielleicht verirrt sich da mal jemand hin.
Irgendwann kam mir die Idee mit dem Partikel-Smiley und ich habe es mit Claude versucht und es ging überraschend schnell, damit erste Ideen sofort funktionierend sichtbar zu machen.
Blut geleckt!
Danach war die Tür weit offen. Ich wollte wirsindfein.de angreifen, aber auch gleich mehr abstreifen, als den alten Pulli. Ich brauche keine Seite, die meine Kompetenzen für mögliche Kund:innen darstellt, ich brauche nur etwas, das ich auf den Profilen im Web benutzen kann und das kurz zeigt, wer ich bin.
Eine About-me-Seite mit neuer URL

Ich habe erst mit dem kreisrunden Foto, dem Text und den Buttons angefangen. Dann wurde es – absolut grundlos – mehrsprachig. Dann kamen mehr Buttons, die dann auch noch je Sprachversion die Reihenfolge ändern. Die E-Mail-Adressen sollten bestmöglich für Bots nicht erkennbar sein. Das erste Easter Egg wurde eingebaut, ein Impressum im Pop-up musste auch her. Warum nicht auch noch ein Dark Mode? Ach, noch ein Easter Egg, bitte. Wollen wir das Ding noch mit strukturierten Daten vollballern? Und die Textlinks brauchen noch eine Vorschau mit sich selbst aktualisierenden Screenshots der Seiten.
Es ist unverhältnismäßig viel an Funktion in dieser kleinen Seite, und genau das hat auch den Spaß ausgemacht. Eine Idee rasch sichtbar machen und ggf. weiterdenken, anpassen, umwerfen. Einfach machen!
Letzte Woche habe ich dann aus der Seite ein GitHub-Repo gemacht. Auch aus Claude heraus, mit direkter Anbindung, sodass das, was ich der Maschine erzähle, gleich gepusht wird und durch eine weitere Anbindung auch gleich live ist. Zwischendurch habe ich Claude dann selbst Code- und SEO-Audits machen lassen. Weil beim punktuellen Arbeiten oft Redundanzen im Code entstehen.
Da sind wir auch schon beim Unterschied, den es machen kann, wenn man sich bewusst mit so einem Tool auseinandersetzt. Vibe coden heißt erst mal: Ich kippe meine Ideen in eine KI und nehme das, was herauskommt. Das muss oder wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht gut sein. Aber da muss es auch nicht aufhören.
Ich habe den Code teilweise noch von anderen KIs checken lassen. Einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die reagieren. Da kam oft auch oberflächlicher Bullshit raus, den man erst mal als solchen erkennen können muss. Letztendlich haben aber die „Audits“ in Claude selbst am besten funktioniert.
Wenn man sich den Output nach bestem Verständnis kritisch anschaut, und man ein gutes Gesamtbild einschätzen kann, ist so mit Vibe-Coding durchaus optimale Qualität in extrem kurzer Zeit herzustellen.
Ich bin mit meinem Resultat sehr zufrieden, und mit Sicherheit kann man nun streiten, warum Inline-CSS und -JS (wegen der Anzahl der Requests) und (inzwischen komplett refaktoriert) welche Funktion wie gut umgesetzt ist. Braucht es überhaupt JS und so weiter? Ich glaube, das wird weitestgehend einfach nur individueller Geschmack sein.

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