Fritz!Box debranden/ Branding entfernen

Kurzes Vorgplänkel: Mein Anbieter liefert zwar 100Mbit im Download aber zum Vertragsabschluss nur eine Fritz!Box mit 2,4 Ghz WiFi. Ich habe mir daraufhin eine neue Fritz!Box 7490 mit 5Ghz WiFi gekauft, direkt vom Händler, entsprechend ohne Branding. – Das Netz meines Anbieters schmuggelte dann aber seine Beschränkungen auf diese Box. Ziemlich ungeil und noch ungeiler war deren Techniker, der das bestritt.

Nach einigem Hin und Her, und den typischen Tutorials, die bei mir nichts gebracht haben, bin ich auf Grundlage dieser auf das unten folgende Szenario gekommen (Stand Oktober 2018, mit der 7490 und Firmware Version 7.0.1). Wie bei allen Tutorials, erst mal ganz durchlesen! Eine Garantie auf Erfolg gibt es, wie bei all diesen Sachen, leider nicht und sollte irgendwann diese Anleitung nicht mehr funktioren, oder gar andere Resultate erzeugen: ihr macht das aus freien Stücken!

Vorbereitung zur Vorbereitung

  • Windows-Rechner oder zumindest einen Rechner mit vernünftigem Ethernet-Port, der nicht über USB angesteuert wird. Dann sollte es auch mit einer virtuellen Windows Maschine funktionieren. Weil…
  • … du die recovery.exe deiner Fritz!Box ausführen musst: Google Suche nach AVM Recovery und Typenbezeichung, z. B. 7490 und du solltest direkt den FTP-Ordner von AVM erhalten
  • Die Fritz!Box liegt am besten neben dem Rechner auf dem Tisch (von wegen Timing und die blinkende Power-Leuchte im Blick haben) und ist per LAN-Kabel mit dem Rechner verbunden.
  • Der Rechner bzw. dessen Ethernet-Anschluss bekommt eine feste IP, 192.168.178.2 – Netmask ist, wie üblich, 255.255.255.0, der Rest kann missachtet werden

Vorbereitung

  • Command Prompt (Eingabeaufforderung) als Administrator öffnen – Start drücken, cmd eingeben, Rechtsklick, als Administrator öffnen (warum auch immer: so klappt der FTP-Login besser)
  • ftp 192.168.178.1 eingeben, noch nicht Enter drücken
  • Die AVM recovery.exe ausführen und bis zu dem Schritt führen, an der man die Fritz!Box vom Strom nehmen soll. Hier warten! Denn danach kommt die Aufforderung, der Box wieder Strom zu geben, den Schritt brauchst du später
  • Die beiden Anwendungen, AVM recovery und Command Prompt auf dem Desktop recht nah beiander drapieren, gleich muss es etwas zügiger gehen

Durchführung

Das meiste wirst du kennen, wenn du dich mit dem Thema beschäftigt hast. Das (für mich) Neue ist, die recovery.exe gleich nach dem Reboot auszuführen, dafür:

  • Fritz!Box vom Strom nehmen, Command Prompt im Fokus haben, Strom wieder rein
  • Mehrere Lampen leuchten auf mal, dann hält die Power-Lampe einen Moment an und fängt danach an zu blinken
  • Nach dem ersten Blinken drückst du in Command Prompt Enter, dann kommt der FTP Login
  • Nutzer und Passwort sind: adam2
  • Folgendes Schritt für Schritt eingeben, mit Enter bestätigen (es sollte alles u. a. mit 200 bestätigt werden):

debug bin
quote GETENV provider
quote UNSETENV provider
quote SETENV firmware_version avm

Jetzt kurz inne halten. Die Idee, die sich mir an dieser Stelle ergeben hat, geht davon aus, dass die Box jetzt denkt, sie sei eine freie/ originale Fritz!Box. Wenn sie danach aber vollständig hochfährt, kommt von irgendwoher der provider additive Schmarn. Aber die recovery.exe kann im richtigen Moment die Box als freie Box identifizieren und überschreibt entsprechend auch das additive Zeug.

Deswegen geht es so weiter:

  • Eingabe von: quote reboot, Enter drücken, kurz warten bis alle Lampen der Fritz!Box aufleuchten… (Edit: oder parallel einen Ping auf die IP der Box laufen lassen)
  • … und dann sofort die vorbereitete recovery.exe abfeuern, dass diese nach der Fritz!Box sucht

Dies sollte sofort funktionieren und alle Partitionen der Fritz!Box überschreiben. Wenn die Versionsnummer der Box nicht gefunden wird, entsprechend dieser Anleitung, den Ethernet-Anschluss auf 10Mbit/s, Halbduplex stellen (gerne auch diesen Punkt mit in die Vorbereitung aufnehmen). Es kann auch sein, dass man die Windows-Firewall bzw. generell seine Firewall deaktivieren muss. In meinem Fall ging es auch mit der versehentlich aktivierten Windows Firewall.

Die recovery.exe läuft entsprechend durch, man bestätigt alles und der nächste Neustart dauert etwas länger. Wie gesagt, in meinem Fall hat die Kombination aus diesen beiden Sachen sofort funktioniert, nachdem viele andere Tutorials gar nichts brachten. Ich habe die Box dann mehrmals hochgefahren, salopp eingerichtet, wieder auf Werkseinstellungen gesetzt. Um zu sehen, ob es auch so bleibt und es blieb so!

Ich wünsch dir viel Erfolg! 😉


Dir hat diese Anleitung geholfen? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen und vielleicht ist es dir auch einen Kaffee wert: ko-fi.com/schongeil


Olli hat 1999 mit Internetverstehen angefangen und verschwand gut 10 Jahre später im Hamburger Agenturzirkus. Bis vor einiger Zeit machte er als Freiberufler was mit Medien und findet auch außerhalb des Internets Sachen toll.

91 comments On Fritz!Box debranden/ Branding entfernen

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    Ich kann alles soweit durchführen, klappt Support. Allerdings beim Befehl
    quote GETENV provider
    Erhalte ich einen error 501….
    Nur bei diesem. Nachdem die recovery.exe durch ist, ist leider weiterhin 1&1 auf einer FB 7510 drauf. Vermutlich muss der Befehl sauber durchgehen. Komisch, eine Idee was ich falsch bzw anders machen könnte?

    • Olli

      Hi Eric, sowas bzw. sowas ähnliches lese ich hier in letzter Zeit häufiger von 1&1 Boxen. Nicht auszuschließen, dass der Hack inzwischen nicht mehr bei allen Versionen funktioniert.

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    Sensationell. Danke!

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    Hallo Olli,
    Die Anleitung ist noch aktuell und hat wunderbar bei meiner Fritzbox 7530 DZ von Vodafone funktioniert.
    Danke 🙂

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    Hi Olli,
    bei meiner 7560 von 1und1 ist die Variable „avm“ nicht gesetzt:
    ftp> quote SETENV firmware_version avm
    —> SETENV firmware_version avm
    501 environment variable not set
    Habe schon gegoogelt – scheine aber mit dem Problem alleine da zu stehen.
    „firmware_version“ ist gesetzt und lautet „1und1“.

    • Olli

      Moin, mir dem hier von mir beschriebenen Prozess würdest du den Variable eigentlich umschreiben. Der 501 Fehler lässt darauf schließen, dass das bei deiner 1&1 Box nicht mehr geht. 501 heißt normaler Weise, Server unterstützt diese Funktion nicht. – Wobei ich an deiner Stelle vorher noch ausschließen würde, ob die Firewall oder Defender deaktiviert ist und die IP richtig gesetzt. Kann ggf. auch ein einfaches Kommunikationsproblem sein.

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        Es hat geklappt!
        Ich habe die Fritzbox auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und auf die aktuele Firmware gebracht. Danach ging es. War wohl vom Vorbesitzer verfummelt. Firewall und Defender waren an, haben aber nicht gestört.
        Habe sogar den Befehl „debug bin“ vergessen – ging trotzdem.
        Danke noch mal für diese Seite.

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    Hallo,
    klappt alles prima – bis auf die Neuinstallation – da soll ich das Passwort von der Rückseite der Box eingeben und dann hab ich wieder das Branding.
    was mach ich falsch?
    Danke und VG gerhard

    • Olli

      Hi Gerhard, ggf. hat das Timing nicht gestimmt. Dazu den Hinweis von OldFart hier in den Kommentaren mal in Anspruch nehmen. Weiteres Terminal Fenster aufmachen, Ping auf die Box, wenn die nicht erreichbar ist kommt der Ping nicht an. Sobald der Ping ankommt dann weitermachen.
      Es gab in der Vergangenheit auch häufiger Kommentare, dass dieses Vorgehen hier nicht bei Kabelboxen funktioniert. Falls du eine Kabelbox hast.

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    Rückmeldung:
    Gerade eine „Fritzbox 7530 Edition wilhelm.tel“ entbrandet. Alles wie zuvor auch bei meiner Meldung zur „Edition EWE“. Firmware-Stand war 7.20, Provider-Variable enthielt „7530_wilhelmtel_20180806“. Debranding-Recovery auf Firmware 7.29, jetzt verhält sich die Box regelgerecht wie eine Retail-Fritzbox von AVM. Standard-Recovery-Prozedur und Standard-Firmware-Updates gehen jetzt auch. Feine Sache!

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    Hi Olli,
    hat alles super geklappt 🙂 Dankeschön..

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    Rückmeldung zu dem, was geht: Gerade eben eine Fritzbox 7530 EWE-Edition entbrandet. Deren BrandiNg war im Wesentlichen die Verkürzung des Installationsassistenten. Die ganze Anbieter-Abfrage war rausgekürzt, aber später manuell durchaus einstellbar.
    Firmware-Stand: 7.29, Provider-Variable enthielt „7490ewe092016“. Anleitungsgemäß die Variablen gelöscht/eingetragen und mit Recovery geflasht. Funktion der Box danach problemlos, Variablen nach Kontrolle (erneut per FTP) weiter korrekt gesetzt, Installationsassistent in der GUI vollständig. Keine weiteren Abweichungen zur AVM Standard-Firmware zu sehen.

    Verbesserungsvorschlag: in einem weiteren DOS-Fenster ein „ping -t 192.168.178.1“ laufen lassen. Sobald nach dem Strom aus/an das erste Ping zurückkommt, kann man den FTP-Connect auslösen. So spart man sich die Timingprobleme mit der Beobachtung des LED-Verhaltens als Zeitpunkt für den Start von FTP. Das mit dem Ping klappt sehr zuverlässig, die Beobachtung der LEDs war trotz vieler Versuche deutlich weniger zuverlässig als Indikator.

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    Hallo,
    kann man damit auch eine Fritzbox 6660 cable entbranden?

    Danke und VG Bernd

    • Olli

      Hi Bernd, in den Kommentaren hier kam die Frage öfter auf. Ich meine, es scheitert oft daran, wenn es für das Modell keine recovery.exe gibt, wie bei der 6660.

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