Bei diesem Buchtitel vermutet man nur, dass es die Musikindustrie thematisiert, wenn einem der Name Tim Renner bekannt ist (oder man Trrrmmer von Die Sterne kennt). Mit Sarah Wächter hat er zusammen eine Bestandsaufnahme dieser Industrie erfasst. Dabei haben die beiden auch immer wieder Anekdoten von einzelnen Musikern oder Situationen wiedergegeben. Auszugsweise wurden in dem Buch so die 90er Jahre bis heute musikhistorisch auf 336 Seiten gepresst.

Tim Renner ist mir irgendwann mit einigen klugen und kontroversen Aussagen zum Urheberrecht aufgefallen und ich war u. a. auch beeindruckt, weil er diese Aussagen als Mitarbeiter eines Musikverlags tätigte.
Wer die Hand beißt, die einen füttert, der muss Eier haben, oder Ahnung! So schlussfolgerte ich für mich schnell.

Renner war bis Ende 2016 Staatssekrätar für kulturelle Angelegenheiten in Berlin, stieß dort nicht immer auf Gegenliebe und äußert sich immer noch gerne zur wahrlich komischen Musikindustrie, wie eben in “Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten”.

Das ich von dem Buch so begeistert bin, liegt u. a. auch daran, dass die Themen und Thesen absolut meiner Denke entsprechen. Die Musikindustrie hat nicht nur ein veraltetes System und beutet vor allem Künstler (außer man ist ein paar Nummern größer) und Kunden aus. Sie verpennt auch immmer wieder eine gewisse Aktualität, um ihr Produkt anständig zu vermarkten!

Allein am vorangegangenen Satz kann man, bei all den Diskussionen über Musik, sich die beiden Wörter “Produkt” und “Vermarktung” auf der Zunge zergehen lassen.

Ein Gorny predigt immer, dass den Künstlern etwas gestohlen wird und man diese Leistung nicht einfach frei verfügbar machen darf. Wobei dieses “frei” sich allein auf vermeintliche Urheberrechtsverletzungen bezieht.
All die übrigen “Das Internet ist doof, weil da nur geklaut wird”-Prediger folgem dem stoisch und seit Kurzem wird z. B. Spotify als Sau durch’s Dorf getrieben, da Künstler dort ausgebeutet werden. Hinterfragt wird dies nicht!

Es gibt eine Rechnung vom Teilzeit-Radiomoderator Jan Böhmermann (ich finde das Interview leider nicht wieder), in der er ebenfalls zu diesem Thema die Summen gegenüber legt, die ein Künstler für eine Ausstrahlung eines seiner Songs auf einem Radiosender erhält: etwas bei 30 Euro! Und wie viel dieser Künstler erhält, wenn er eine vergleichbare Menge an Menschen, die diesen Radiosender hören (es waren in etwa 1,6 oder 1,8 Millionen), das gleiche Lied streamen würden, was knapp über 3000 Euro waren.

Dieses Beispiel ist eines von vielen und sowohl die Pro-Internet-Front, als auch die Gornys dieser Welt haben eine unfassbare Menge davon. Die Schnittmenge beider Positionen ist wahrscheinlich am nächsten an der Realität und ein Teil dieser Schnittmenge ist für mich in diesem Buch!

Es geht aber nicht nur um die Vermarktung und den Sinn oder Unsinn der Industrie, sondern auch um die Geschichten, wie Künstler zu denen wurden, die sie nun sind und man kann sich auch, bei jeglicher Pro- und Kontra-Meinung, herrlich über diese Geschichten amüsieren.

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